Epilog: Fleischwort (Luk.2)



Gedicht: Fleischwort (Lukas 2)

  Wortschöpfung aus einem Mund.
Abwendung – Adamsschuld.
Fleischwerdung in zweiter Person.
Hinwendung – Gotteshuld.
Menschenlicht wird Gottessohn.

  Menschenkind bleibt Gottestraum.
Liebeslast schöpft sich hierher
in Raum und Zeit, geht ein
in Schwachheit und nach Betlehem
als Krippenkind zart und klein,
fraugeboren, ans Gesetz gehalten,
unerkannt, friedensfest.

  In Staub und Stall bringt Gott
sein wahres Wesen in die Welt,
im Sohn sein Gottsein auf den Punkt.
Äonendimension ins Fleisch gewagt.
Dein Wesentliches, Mensch,
ist dort und damit ausgesagt.

  Greifbar nur für jenen Geist,
der hirtengleich sich lenken lässt
durch Glaubenswort- und Tat.
Im Grundherz tief bewegt sich solch Geschehen.
Dort wird das Fleischwort offenbart:
selbstverschenkend, menschgenaht,
gottbejaht,
Leben.

 
Bibelstelle – Lukas 2,10 –12 (Luther)

  Und der Engel sprach zu ihnen:
Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude,
die allem Volk widerfahren wird;
denn euch ist heute der Heiland geboren,
welcher ist Christus, der Herr,
in der Stadt Davids.

  Und das habt zum Zeichen:
Ihr werdet finden das Kind
in Windeln gewickelt
und in einer Krippe liegen.

 
â€â™€ Meditation

  Ich halte inne
und bleibe bei der Nähe Gottes.
Nicht erklärt,
sondern gegeben.

  Du gehst hinein
in Raum und Zeit,
in Staub und Stall,
in das Unscheinbare.

  Ich spüre in mir
Abwendung und Sehnsucht,
Schuld und Zärtlichkeit.

  Und ich erkenne:
Mein Menschsein ist kein Hindernis.
Es ist der Ort,
an dem Du mir begegnest.

 
â“ Fragen für den Tag

  1. Wo berührt mich heute die Nähe eines verletzlichen Gottes?
2. Welche Form von Abwendung kenne ich in mir?
3. Wo könnte heute eine kleine Hinwendung geschehen?
4. Was bedeutet es für mich, dass Gott mir so nahe kommt?
5. Wo habe ich heute Leben gespürt?

 
Gebet

  Gott,
Du kommst leise
und bleibst.

  Du gehst hinein
in mein Leben,
wie es ist.

  Halte mich
in Schuld und Zärtlichkeit
und führe mich
in Deine Hinwendung.

 
Körperübung

  **"Ich lasse Nähe zu."**

  Stelle dich aufrecht hin.
Spüre beide Füße auf dem Boden.

  Lege eine Hand auf die Brust,
die andere auf den Bauch.

  Atme ruhig ein und aus
und bleibe einige Atemzüge
in dieser Gegenwart.

 
Abendreflexion

  Wo habe ich heute Nähe zugelassen oder abgewehrt?
Was war klein und dennoch bedeutsam?
Wofür bin ich dankbar?

1.01.2001  ↑    


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